Es ist schon etwas länger her, um genau zu sein war es im Mai. Ich kam gerade “vonne Maloche” und stiefele das Treppenhaus hoch. Auf halben Wege vernehme ich im Augenwinkel einen ungewöhnlichen Zustand meiner Umgebung, der sonst eher selten vorzutreffen ist. Die Wohnungstür der Nachbarwohung steht einen Spalt weit offen und der Haustürschlüssel steckt von außen. Er wird wohl gerade die Tür aufgeschlossen habe und ist zum Telefon gestürzt, war mein erster Gedanke und so zog ich ab um meinen Wohnbereich aufzusuchen.
Ca. 2 Stunden später verlasse ich mein Domizil und bemerke, dass die Wohnungstür immer noch offen steht und der Schlüssel ebenfalls noch steckt. Nepper, Schlepper, Bauernfänger ist mein erster Gedanke und ich muss an Ede Zimmermann und Aktenzeichen XY - Ungelöst denken. “Du solltest vielleicht mal nachschauen” flüstert mir mein Gewissen und vorsichtig sage ich “Hallo?”, wie der Mann aus der UPS-Werbung, nur dass ich es bei dem vorsichtigen Nachfragen belasse und nicht anfange zu singen. Keine Antwort. Na gut, ich muss wohl doch man nach dem rechten schauen. Vielleicht ist dem Nachbarn was zugestoßen und brauch dringend Hilfe.
Ich öffne also die Wohnungstür und schaue vorsichtig in den Flur, der allerdings unverdächtig aussieht. “Hallo? Jemand zu Hause?” entfleucht es meiner Kehle und nach kurzem Warten auf eine Reaktion taste ich mich weiter in die fremde Wohnung. Sieht alles etwas muffig aus und so riecht es auch. Ich taste mich also weiter in feindliches Terrain und erblicke die Beine einer männlichen Person im Türspalt zu einem Arbeitszimmer. Vorsichtig schiebe ich dir Tür auf in der Erwartung eine Leiche vorzufinden, da erkenne ich den reglosen Körper meines Nachbarn. “Alles in Ordnung” wollte ich gerade das letzte Mal in den Raum flüstern, doch da merke ich schon was nicht in Ordnung war. Die Hose war geöffnet und seine rechte Hand verschwand im Intimbereich. Der Mund stand weit offen und offensichtlich schlief der Herr Nachbar tief und fest seinen Rausch aus. Am Boden lagen etliche Bierdosen verstreut. Es war der Morgen nach Vatertag. Nun gut, hätte ich auch früher drauf kommen können.