Grenzwert und Hygene
Da stehe ich mal wieder in der Küche und koche mir was lange Haltbares und mir geht ein Wort durch den Kopf: “Zulässiger Grenzwert”. Klar, Wikipedia hilft weiter und nun müsste es mir ja eigentlich schon wieder besser gehen. Beim Trinkwasser gibt es sowas, mir ist der Gernzwert schon bei Belastung durch Strahlung, Schwermetalle, Tenside, Nitrate usw. usw. in Fleisch, Fisch, Geflügel, Obst und Gemüse über den Weg gelaufen. Dient halt dazu, dass die Industrie gewissen Nahrungsmüll noch ohne Konsequenzen fürchten zu müssen absetzten darf. Eigentlich ist hier Schluss mit Gedankenkette und ich sollte weiterkochen können.
Da erinner ich mich an ein Interview mit irgendeinem 5-Sterne-Koch, Namen habe ich dummerweise vergessen. Der sagte sinngemäss sowas wie dass die ganzen Lebensmittelverordnungen heute nur noch dazu gebraucht werden, dass sich niemand mehr eine Abfüllanlage für seinen hausgemachten Hollunderbeersaft, einen Bottich für die selbstgemachte Butter oder eine Hausschlachterei leisten kann. Denn die Standards sind hoch, alles muss 100% steril und konserviert sein. Sprich die Lobby der Lebensmittelgrossindustrie ist durch ihre Sorge um uns vorallem darauf bedacht, lokale, kleine Konkurenten “im Keim zu ersticken”.
Und dabei hätten die lokalen Anbieter gute Chancen frischer und gesünder zu liefern, wenn sie denn nur ohne 100.000 Euroinvestment dürften, denn sie haben einen Vorteil gegenüber den Riesen. Das sind ihre kurzen Wege, die Notwendigkeit verschiedene Lebensmittel anbauen zu müssen und damit ihre Möglichkeit auf Konservierungsmittel zu verzichten.
Und selbst die Erfindung der “permanenten Verfügbarkeit” bräuchten die Lokalen nicht scheuen, wenn sie nur darauf hinweisen würden, dass das wieder eine Idee der Grossindustrie ist, die zu Lasten der Umwelt und der Konsumenten geht. Denn wer 365 Tage im Jahr immer alles haben will/soll/muss, der muss halt damit leben, dass die Nahrung in Monokluturen rund um den Planeten gezogen wird. Ich sage nur Pestizide, ich sage nur Grenzwerte.
Die Industrie sorgt mit ihrem Marketing nicht nur dafür, dass in den 80ern die Eltern entsetzt die lila Kühe auf den Gemälden der Kinder anstarrten, nein, dieses Marketing hat auch dafür gesorgt, dass Eltern der Meinung sind, dass ihre Kinder im Winter Erdbeeren essen müssen. Und im Sommer lieber in der Skihalle auf irgendeiner grenzwerttechnisch unproblematischen Müllhalde mit den in vitro gezogenen Ablegern rodeln. Klar, wenn die vielen “Grenzwerte” die Keimzellen verbrutzelt haben und die Anfang des Jahres konservierten Pausenriegel Mama und Papa eher geil auf Mastfutter als aufeinander gemacht haben. Egal, dafür beginnt die Pupertät heute halt kurz nach der Einschulung.
Und so sind wir gefangen zwischen Grenzwert und Hygene, zwischen tödlich und keimfrei. Und die Lösung ist selbst dem Propheten zu unbequem. Denn dann muss er täglich einkaufen, teurer einkaufen, und womöglich statt Kiwi Boskop essen. Im Herbst einkochen und im Winter die Matsche aus dem Glas essen. Der Prophet wendete sein aus Massentierhaltung stammendes Stück undefinierbaren Fleisches, rührte durch das seit acht Monaten gefriergetrocknete Instantgemüse und freute sich auf die irgendwo tausend Kilometer weiter geernteten aber nur kurz bestrahlten Kartoffeln.
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equinox said,
April 26, 2006 @ 21.10
kopfhoerer » Die Sorge um unsere Nahrung. said,
April 28, 2006 @ 14.44
[…] gewinnt genmais? 24. Juni 2005 gewinnt pet? 26. Juli 2005 sinnvoll 13. August 2005 zusammenhang 21. September 2005 unser täglich brot… 15. November 2005 Grenzwert und Hygene 26. April 2006 […]