Vadim Glowna und das Haus der schlafenden Schönen
Vadim Glowna kam nach Paderborn um seinen neuen Film „Das Haus der schlafenden Schönen“ und seine Autobiografie vorzustellen. Nichts Ungewöhnliches für einen Schauspieler, denn nur so kann man wenigstens ein bisschen Aufmerksamkeit für ein Projekt erzeugen und doch außergewöhnlich in der Art der Präsentation. Glowna - mittlerweile das 65. Lebensjahr erreicht - wirkt gelassen, fast entsagend in seiner Erscheinung. Völlig unauffällig gekleidet und ohne äußeren Hinweis auf seine offensichtlich bewegte Vergangenheit. Seine Stimme flüsternd und andachtsvoll, generiert eine gespannte Atmosphäre im spärlich besetzten und abgedunkelten Kinosaal. Er erzählt aus seinem Leben und vermischt diese Passagen mit Kapiteln aus seinem Buch. Wer ihm nicht aufmerksam folgt bemerkt nicht die fließenden Übergänge zwischen Vorlesen und Berichten.
Er erzählt von seinem Traum diesen Film zu drehen. Das Haus der schlafenden Schönen. Alles in Eigenregie. Drehbuch, Produktion, Verleih. Selbst finanziert und somit auf den Erfolg angewiesen, damit die Kosten wenigstens gedeckt werden. Er hat die Erwartungen an den Film durch seinen Auftritt selbst sehr hoch gesteckt und deswegen enttäuscht er leider das durchaus interessierte Publikum mit seinem Film. Das Thema hat die Brisanz eine moralische Schranke zu durchbrechen aber der Film konzentriert sich zu sehr auf die Hauptperson, die emotional einfach nicht als Identifikationsfigur taugt. Zu wenig kritisch geht er auf die Motivation des Edmond ein und lässt den inneren Konflikt weitgehend im Dunkeln. Moralisch wird das Handeln nicht (genug) hinterfragt und obwohl Glowna sagt, dass diese älteren Männer vermutlich nicht in der Lage waren sexuelle Handlungen an den schlafenden Mädchen vorzunehmen (diese Häuser gab es in den 20er Jahren wohl wirklich u.a. in Tokyo und Berlin) offenbart er durch diese Rechtfertigung sein Verständnis von Missbrauch, welches offenbar ausschließlich von Penetration geprägt ist. Ob die einseitige Darstellung ein Resultat (s)einer männlichen Machtphantasie ist lässt sich nur vermuten und muss daher nicht weiter hypothetisiert werden doch der Verzicht die Rolle der schlafenden Schönen zu betrachten lässt diese Vermutung, zumindest was den Drehbuchschreiber betrifft zu.
In jener Nacht entdeckte ich das unglaubliche Vergnügen, den Körper einer schlafenden Frau zu betrachten, ohne vom Begehren bedrängt oder von der Scham behindert zu werden
Die Originalvorlage des japanischen Literaturnobelpreisträgers Yasunari Kawabata, muss Aufschluss bringen, evtl. auch über regionale Besonderheiten des Plots und die Übertragbarkeit auf westliche Moralvorstellungen. Schade um den inhaltlichen Sprengstoff, denn die Thematik besitzt eine durchaus beachtliche Sprengkraft, welche leider auf der Leinwand verpufft ist.
Kinostart: 02.11.2006
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