Das Thema Second Life ist durch für mich. Ich habe in der Vergangenheit immer wieder versucht mich mit diesem virtuellen zweiten Leben anzufreunden - vor allem weil ich durchaus Affinitäten zu virtuellen Landschaften habe und ich mich in Anarchy-Online oder Word of Warcraft wohl gefühlt habe - aber durch die schlechte technische Umsetzung dieser Second-Life-Welt habe ich nie einen echten Zugang gefunden. Ich verfolge Aufmerksam die Entwicklung von Second Life bei Markus Breuer und komme nun immer mehr zu der Erkenntnis, dass Second Life jeden Tag immer uninteressanter wird. Nicht für die Konzerne und Investoren aber für mich als Benutzer. Es vergeht kein Tag an dem nicht eine neue Firma in Second Life Einzug hält und ich frage mich bei jedem neuen virtuellen Palast, der dort errichtet wird nach dem Nutzen für mich als potentieller Bewohner. Wozu die virtuellen Adidas-Schuhe, wozu die Toyota-Automobile, wozu die mittlerweile unzähligen virtuellen Headquarters der Konzerne?
Jetzt wo der Springer-Verlag gewissermaßen in Second Life vertreten ist und plant eine Bild-Zeitung über das Geschehen in Second Life herauszugeben, jetzt wo Big-Brother einen Container dort aufstellt ist Second Life für mich erst recht kein Thema mehr. Uninteressant. Der Bogen wurde überspannt und er wird in Zukunft wahrscheinlich noch sehr viel mehr strapaziert werden.
Dumpfe TV-Shows habe ich schon im realen Leben und mit Werbung werde ich auch schon im Web 1.0 und Web 2.0 belästigt. Da brauche ich keinen Web 3.0 Layer als Überschicht damit die Werbebotschaften der Konzerne mich penetrieren können. Wozu das reale Leben in einer virtuellen Welt abbilden? Liegt der Reiz einer virtuellen Welt nicht auch darin begründet, dass sie sich von der Realität unterscheidet?
Es wird Zeit, dass die Blase 2.0 mal wieder zum Platzen kommt und zu einer erneuten Bereinigung führt. Die damals beteiligten Konzerne wissen noch allzu gut, wie schnell die Euphorie in Katzenjammer umschlagen kann und betrachten das Geschehen diesmal mit einigem Abstand. Allerdings sind die Investitionen - um in Second Life Fuß zu fassen - dermaßen gering, dass eine weitere Zunahme von Aktivitäten dieser Art zu befürchten ist. Schade drum. Vielleicht macht es die Konkurrenz besser.