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Wert der Musik

“Weil eine Festplatte immer das Gleiche wiegt - egal ob 100, 1.000 oder 10.000 Musikdateien darauf gespeichert sind -, geht schleichend das Gefühl für den Wert von Musik verloren”, sagt Michael Haentjes, Vorsitzender der Deutschen Phonoverbände, anlässlich des Tages des geistigen Eigentums.

golem.de

Ich will mal garnicht auf den dann noch folgenden Teil eingehen. Und auch gewisse, mir merkwürdig erscheinende Thesen unkommentiert lassen.

Aber ich möchte dieses Zitat als Aufhänger nutzen und die These aufstellen, dass der Tonträger ansich (egal ob nun HDD, CD, MC oder Vinyl) die Musik schon wertlos macht - nämlich in dem er sie zum immer konsumierbaren Produkt macht und sie sich dadurch vom Künstler gelöst hat und zur Handelsware geworden ist.

Wirkliche “Musik” kann man nur vom Künstler direkt vorgetragen bekommen - und dann ist es komplett egal, woher der Klang kommt. Von mir aus auch aus dem quäkigen Brüllmodulator eines Handtelefons.

HDD, CD, MC oder Vinyl sind nicht Kunst, sie sind ein Datenträger in einem Distributionskanal und damit Ende. Kunst liefert nur der Künstler, leblose Presswerke liefern Handelsware.

Nachtrag:
Wenn uns dieses leblose Erzeugnis reicht, dann sind wir Konsumenten an diesem Problem ebenso schuld wie an allen anderen verdorbenen Waren auch.

Besucht mehr Live-Veranstalungen, hört weniger Tonträger gleich welcher Art und fördert so echte Kunst. Das trifft auch auf Radio, TV und Streams zu. Massendistribution bringt solche Stilblüten wie das Zitat oben zu Tage. Da muss sich niemand wundern.

6 Comments »

  1. equinox said,

    April 27, 2007 @ 07.45

    eine solche frage habe ich vor ca einem halben jahr bei einer eignungsprüfung beantwortet. in short: ich bin der meinung, dass musik durch einen tonträger auf-, bzw. abgewertet werden kann. wir kommen aus einer zeit, in der vinyl produziert wurde und ich kann mich noch an die umstellung zur cd erinnern. obwohl die cd eine menge vorteile gegenüber der vinyl-scheibe bot, gab es doch sehr viele menschen, die auf grund des neuen formats einen wertverlust ihrer musik empfanden. das ist nicht falsch, denn eine lp auf vinyl kam wertvoller daher. ein grosses cover, ein grosses medium suggeriert einen grösseren wert als eine kleine plastikscheibe in einer kleinen plastikhülle und ja auch das gewicht spielt hier eine rolle. der gleiche effekt passiert gerade jetzt mit der nächsten transition zu musik-files. jetzt gibt es gar kein medium mehr sondern nur noch den content. musik ist content und vom medium völlig losgelöst. ich klicke in meine bibliothek(!) um musik zu konsumieren und muss nichts mehr in die hand nehmen. subjektiv entsteht ein wertverlust, der natürlich rein emotional stattfindet. ich verteidige diese thesen nicht für mich persönlich, sondern denke dass vor allem ältere menschen, diesen wertverlust empfinden. ich sehe das in meinem direkten umfeld “nee, downloaden will ich nicht. da geh ich lieber in den laden und kaufe mir die cd. da hab ich nen booklet, und so”. ja das stimmt. es entfällt das gefühl die musik anzufassen. das vinyl aus dem schuber zu nehmen, anzufassen, es behutsam auf den plattenteller zu legen, den tonarm auf die rille positionieren und abzusenken. das ersetzt ein doppelklick. musik ist abstrakt und wird durch das medium erst zu einem greifbaren wert. wenn das medium nun nicht mehr existiert. ich finde allerdings, das durch die massen an musik in meiner bibiothek und durch ständige verfügbarkeit im netz eher ein wertverlust der musik stattfindet. das aber nochmal nen anderes thema. muss jetzt los.. :)

    aber dass musik direkt und unmittelbar, also live am wertvollsten ist, das stimmt natürlich. vor ein par tagen erst wieder so empfunden…

  2. p0yntz said,

    April 27, 2007 @ 09.42

    Ja, ich verstehe das auch, grade das Gefühl beim Auflegen von Vinyl ist ja immer wieder so ein Kitzel, Deine Turntables laden ja grade dazu ein, aufzulegen (stehen im übrigen dort sehr gut)! Aber:

    Ein Zitat wie das oben angeführte stammt von Menschen, die von gestern, technologiefeindlich und/oder ängstlich sind. Zudem haben sie noch nicht kapiert, dass sie ja selbst mal technologiefreundlich, zuversichtlich waren und andere mit ihren Plänen beängstigt haben.

    Dieses “Solange ich es mache, und mir keiner was kann, ist es gut!” kann man nur akzepieren (Datenträger gleich welcher Art kaufen) oder RICHTIG abstrafen (Musik nur noch live hören und bezahlen, z.B. auch auf der Strasse).

    Oder was haben wohl die ersten Künstler gedacht, als man ihre Kunst aufnahm und auf Walzen verscheuerte?

    Irgendwie erinnert mich das ganze an die Diskussion um bessere Teebeutel für pausenlosen Teegenuss. Das führt genauso zur Frustration, denn Hektik schliesst Genuss einfach aus. Oder der Unterschied zwischen Zigaretten und Lesepfeifen.

    Wenn es um den massenhaften Ausstoss geht, dann sind Teebeutel, Zigaretten und Tonträger natürlich erheblich einfacher zu handeln und zu konsumieren.

    Wenn es um den Genuss geht, dann nimmt man sich die Zeit (und das Geld) und straft solche Fast-Food-Kommentare wie die des Herrn Vorsitzenden ab.

    Da prallen einfach Weltanschauungen aufeinander, dass ist noch heftiger als nur “HDD oder CD”, fürchte ich! :)

    Vielleicht sollte man sich echt einfach mehr Zeit nehmen und die Herren Vorsitzenden aller Firmen und Industriezweige vergessen… eines Tages…

  3. Daniel said,

    April 27, 2007 @ 09.55

    Natürlich ist Musik wertvoll, aber sie wird doch nicht durch Distributionsformate abgewertet bzw. wertlos gemacht. Diese Formate sind es doch, die es dem Künstler ermöglichen, sich einer breiten Masse zu präsentieren. Und das kommt immer seinen LIVE-Auftritten zugute. Egal, ob er nun Sänger ist, Instrumentalkünstler oder DJ.

    Sicherlich fühlt es sich seltsam an, wenn man (wie ich) mit Vinyls oder Tapes groß geworden ist und nun einen Teil seiner Musik bei iTunes kauft. Das Gefühl ist aber ob der gewaltigen Auswahl schnell weg und mal im Ernst, ohne die gewaltigen Distributionskanäle und jetzt eben auch Musik im digitalen Format, wäre ich auf einige Perlen so nicht gestoßen. Ich sage nur Netlabels. Die bestehen faktisch nur aus “Content”. Ist die Musik dadurch wertloser oder künstlerisch unechter? Ich glaube nicht.

    Ich glaube eher, dass es die vielen Formate (ob zum “Anfassen” oder digital) und die heutzutage einfache Art Musik zu machen, die Auswahl an Musik größer gemacht haben und somit eher viel Müll in die Neuveröffentlichungssparten rückt, den es damals in der Masse nicht gab. Der Aufwand, ein gutes Stück zu finden, ist größer geworden, dafür wird man öfter fündig.

  4. p0yntz said,

    April 27, 2007 @ 10.10

    Stimmt, ich habe heute morgen erst noch gedacht, dass ich das Thema Netlabels damit zu unrecht in einen Trog mit den Phonoverbandjungs werfe und auch solche wirklich demokratisierende Plattformen wie myspace zu ungerecht behandle.

    Vielleicht habe ich schon zu viele Fehler gemacht, als ich mich auf diese Datenträgerdiskussion eingelassen habe…

    Mal sehen, was wäre wenn das Zitat nur eine vorgeschobene Aussage der Phonojungs ist?

    Also im Sinne von “Auf HDDs lagert viel Musik, die wir nicht verkauft haben, weil a) sie geklaut ist oder b) weil sie uns unbekannt ist. Daher ist MP3 weniger wert als CD.”

    Das ginge dann nämlich weg von der Datenträgerdiskussion hin in Richtung Vermarktung der Kunst direkt durch den Künstler.

    Vielleicht sind dann Datenträger, die man direkt von Künstler kauft, auch nicht mit denen gleich zu setzten, die über die Massendistribution verdengelt werden… mmmh, mal sehen, ob ich mich mit dem Gedanken anfreunden könnte.

  5. equinox said,

    April 27, 2007 @ 10.43

    Ein Künstler - in diesem Falle Musiker - will dass man seine Werke wahrnimmt. Das unterstelle ich erstmal pauschal jedem Künstler, sonst würde er sich nicht in die Öffentlichkeit drängen (auch nicht mit Konzerten). Wenn das so ist, dann sind Plattenverkäufe (damit meine ich jetzt mal auch digitale d/l) u.a. ein Weg um ihn bekannter zu machen. spread the word, also. Das kommt seinen Live-Auftritten zu Gute, da muss ich Daniel Recht geben. Und genau deshalb wollen ja die Plattenbosse auch an den Einnahmen von Konzerten mitverdienen, was sie bisher nicht getan haben. Das wird noch extrem spannend wenn die heilige Kuh „Live-Performance“ geschlachtet wird. Erste Bands haben dem schon zugestimmt weil sie nur so einen Plattendeal zu bekommen glauben.

    Ich vertrete ebenfalls die Auffassung, dass es heute sogar schwieriger geworden ist wirklich gute Musik zu finden, als es das noch vor dem Internetzeitalter war. Ich werde heute erschlagen von der Flut an neuen Releases, an Musik-Blogs, Zeitschriften, etc. Ich kann gar nicht mehr alles scannen und sortieren und mir alles anhören. Dadurch ziehen jeden Tag unzählige Perlen der Musik an mir ungehört vorüber. Na gut, einige bleiben auch hängen aber ich muss sehr viel Zeit investieren um das zu finden was ich suche. Ich muss mich durch den ganzen Dreck und Müll durchwühlen, bis ich zu den Schätzen vordringe. Dazu passt übrigens das Editorial der aktuellen SPEX wie die Faust aufs Auge. Unbedingt lesen! Selbst der Plattendealer meines Vertrauens, den es so ja gar nicht mehr unbedingt gibt, den ich frage was er mir so an Neuigkeiten empfiehlt hat das gleiche Problem. Ich kann ihn nicht fragen, weil er selbst mit der Flut überfordert ist. Der gut sortierte Plattenladen, auf den ich zählen kann um mich zu informieren wird abgelöst werden durch soziale Dienste wie (Wenn Sie Artist X mögen, dann mögen Sie vielleicht auch Artist Y).

  6. p0yntz said,

    April 27, 2007 @ 10.51

    Wow, das mit den Live-Auftritten habe ich noch nicht gewusst… jo, dann mal frohes Schaffen…! Und je nach Ausgang der Sache noch “Gute Nacht”!

    Bei der Suche nach Musik, wäre es dann da nicht eine Idee, einen Filter zu setzen? Ich mache da nochmal Werbung für Livemusik, also im Endefekt für lokale Künstler. Geht natürlich mit dem Risiko einher, dass man nicht unbedingt den heissesten und neuesten Kram hat… aber geht es um Kunst oder um Modemucke?

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