Ja, die vending machines in Tokyo waren wirklich klasse. Die Grog-o-maten vor allem. Wo, wenn nicht in Tokyo kann man sonst legal auf der Strasse Herzmedikamente und Citrus-Getränge mit dem Vitamin-C Gehalt von 77(!) Zitronen kaufen? Von den seltsamen Porn-o-maten oder Pet-o-maten mal abgesehen, plädiere ich für flächendeckenden Getränkeautomaten nach dem Tokyoter Vorbild. Besser noch: Alle Zigarettenautomaten abbauen und dafür zwei Getränk-o-maten aufstellen.
Wiederholung am Sonntag früh, den 20.04.2008 um 03:00 Uhr.
night train
Die Sachen schnell gepackt, denn die Zeit drängt. Koffer aus dem Schrank gewühlt, die Sachen hektisch aus den Schubladen gerissen und in den Koffer geworfen. Es bleibt nur noch wenig Zeit bis der Zug abfährt und eine Fahrgelegenheit zum Bahnhof ist auch noch nicht organisiert. Die Nachbarin angeklingelt, das Problem geschildert und Gott sei Dank direkt los.
Erst als der Koffer verstaut und der Platz eingenommen lässt die Körperspannung nach. Ganz langsam auf das Bett im Schlafwagenabteil fallen lassen und erstmal runterkommen. Dösen in der Abenddämmerung und dann enttäuscht feststellen, dass das Erwachen mitten in der Nacht geschieht. Am Fenster rauscht die Landschaft ungesehen vorbei, denn es ist stockfinster. Schemenhaft ist das sich brechende Licht auf den Schaumkronen der Wellen zu erkennen und erst durch den beleuchteten Pier sind eindeutige Orientierungspunkte auszumachen. Der Zug fährt mit reduzierter Kraft, durch eine nächtliche Strandlandschaft. So langsam, so monoton, dass die Veränderungen in Form des allmählich hereinbrechenden Tageslichts kaum wahrgenommen werden können. Es dämmert keine Götter sondern Silhouetten kleiner spielender Kinder, welche ausgelassen herumtollen und dabei vor Vergnügen kreischen. Den Grillen, die vom Getöse der Unbekümmertheit übertönt werden, ist es noch nicht warm genug und so ist das Zirpen erst zur spätnachmittaglichen Hitze - selbst im Abteil - wahrnehmbar.
Der Schaffner beendet die Träumerein unsanft und erneut bricht diese bekannte Hektik aus. Der Zug fährt im Zielbahnhof ein doch obwohl der Pulsschlag annähernd im gleichen Rhythmus hämmert ist die Intensität eine Andere. Schnell noch die Kopfhörer aus den Ohren gezogen, den Koffer aus dem Gepäcknetz gewuchtet und den Fuß auf festen Boden gesetzt. Endstation. Alle aussteigen, bitte.
Ab morgen: Zu Fuss für fast eine Woche hier unterwegs.
Update equinox: Aus einer Woche wurde leider nur ein Tag! Meine Gesundheit hat mich wieder immer noch im Griff. Wenn die Einladung 2008 auch noch gilt, wäre es mir eine Ehre die Wiederholung antreten zu dürfen!
Update p0yntz: Quatsch, Einladung! Wir sind partner in crime, Du musst einfach mit!
August 7, 2006 · Filed under Japaner, Reise by p0yntz
Bald ist es ein Jahr her, dass wir nach Tokyo aufbebrochen sind. Einer Idee und einem Versprechen folgend, dass zu dem Zeitpunkt fast 10 Jahre alt war. Wahrscheinlich die beste Verabredung meines Lebens.
Jetzt, da es gut gesackt ist, ich genügend Abstand gefunden habe und ausgiebig Zeit hatte, die Eindrücke zu verabeiten, verklärt sich der Blick liebevoll und ich kann die Reise besser einordnen. Und ich muss sagen, es war die wichtigste Städtereise. Definitiv stellt diese Reise den Massstab, an dem sich Abenteuer in Verne, Soest, Krefeld, Berlin, München, Wien, London, Warschau, Windhoek, Miami oder Mumbay messen lassen müßen.
Fast vierzehn Tage Eindrücke gesammelt, die immer wieder wie ein Flashback zurück in den Geist springen. Pompöse Läden? Gab es bessere und größere in Tokyo! Rushhour? In Tokyo war mehr los! Verwinkelte Gassen? Tokyo wins! Glass und Mamor? Tokyo!
Wie ich da so plötzlich darauf komme? Ein kleiner Streit zum Thema “Whisky” hier im Büro und da hab’ ich doch gleich einen kleinen Flashback. Denn wir hatten das hier dort.
Betrunken und unter Einfluss von Kompakt-Ambient schaue ich mir Tokyo-Fotos bei Flickr an und schwelge in Erinnerungen. Morgen ist wieder alles wie immer. Ein Toast auf den Verdrängungsmechnismus!
Damit allerdings der lüsternde Mitreisende in der U-Bahn davon nichts mitbekommt gibt es in Japan spezielle Aufklebefolien für Mobiltelefone die den Blickwinkel einschränken. Somit kann nur, wer direkt auf das Display schaut, auch alles erkennen. Diese Folien scheinen der neuste Trend zu sein.
Also Herr Wanderer, ein wenig Venture Capital sollten wir doch locker bekommen, oder? Allerdings kann ich mir einen Erfolg in Europa nicht vorstellen. Die U-Bahnen sind einfach nicht voll genug und das Mobiltelefon- und PDA-Nutzungsverhalten unterscheidet sich doch deutlich vom Japanischem.
Eine der ersten Skurrilitäten in Tokyo war die Erfahrung, dass die Tokyoter gerne angeln. Soweit erstmal nicht skurril, denn die Deutschen halten ihre Rute bekanntlich auch mal gerne in einen Weiher. Da es aber in Tokyo ein großes Platzproblem gibt, und wildes Angeln vermutlich nicht so gern gesehen wird, hat man ein Angel-Bassin gebaut, an dem die Tokyoter nach Feierabend mal eben relaxt angeln können. Drei Betonbecken mit einer Tiefe von 50cm müssen da schon reichen.
Relaxed sieht und vor allem hört sich das überhaupt nicht an, denn dieses Bassin ist direkt an einer vielbefahrenen Kreuzung und direkt an einer U-Bahn-Haltestelle. Das polyphone Dingeling zu Anfang im Hintergrund singnalisiert eine sich schließende U-Bahn-Tür. Ahh, wie idyllisch. Endlich mal in freier Natur einen Karpfen erlegen.
Die nächsten Tage überprüfe ich, ob es mir auch wie den Sopranos geht, die das erste Mal nach Italien reisen.
In Neapel angekommen, finden Tony und die Jungs schnell heraus, dass das echte Italien wenig mit ihrem von Coppola und Scorsese inspirierten Bild der alten Welt gemeinsam hat.